📌 Auf einen Blick: Das Wichtigste aus diesem Leitfaden
- ✓ In Deutschland besteht eine gesetzliche Krankenversicherungspflicht (§ 193 Abs. 3 VVG) – niemand fällt unbemerkt aus dem Versicherungsschutz.
- ✓ Nach dem Ausscheiden greift nach § 19 Abs. 2 SGB V ein nachgehender Leistungsanspruch für genau einen Monat.
- ✓ Auf echte Abfindungen fallen bei Pflichtversicherten 0 € Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung an (§ 14 SGB IV).
- ✓ Freiwillig gesetzlich Versicherte müssen aufpassen: Beziehen sie kein ALG I, können Krankenkassen Beiträge auf Abfindungsanteile verlangen.
- ✓ Bei einer Sperrzeit übernimmt die Bundesagentur für Arbeit ab dem zweiten Monat die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.
1. Wer zahlt die Krankenversicherung nach dem Ausscheiden?
Endet das Beschäftigungsverhältnis, meldet der Arbeitgeber Sie zum Austrittstag bei der Krankenkasse ab. Je nachdem, wie Ihr weiterer beruflicher Werdegang aussieht, greifen unterschiedliche Auffangnetze:
1. Direkte Anschlussbeschäftigung: Der neue Arbeitgeber übernimmt ab Tag 1 die Beitragsabführung. 2. Bezug von Arbeitslosengeld I: Die Bundesagentur für Arbeit meldet Sie nach § 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V an und übernimmt 100 % der Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. 3. Übergangsphase ohne ALG I (z. B. Sabbatical, Sperrzeit): Hier greift die sogenannte obligatorische Anschlussversicherung nach § 188 Abs. 4 SGB V.
2. Der nachgehende Leistungsanspruch (§ 19 Abs. 2 SGB V)
Endet die Mitgliedschaft eines Pflichtversicherten, besteht der volle Anspruch auf Leistungen der Krankenkasse (Arztbesuche, Medikamente, Krankenhausbehandlung) für längstens einen Monat nach dem Ende der Mitgliedschaft fort – solange keine andere Erwerbstätigkeit ausgeübt wird.
Für diesen einen Übergangsmonat müssen Sie in der Regel keine eigenen Beiträge bezahlen, sofern unmittelbar im Anschluss eine neue Versicherung (z. B. ALG I oder neuer Job) greift.
3. Müssen auf die Abfindung Krankenversicherungsbeiträge gezahlt werden?
A. Pflichtversicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung
Für die weit überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer (Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze von ca. 73.800 €): Eine echte Abfindung, die als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes gezahlt wird, gilt im Sozialrecht nicht als Arbeitsentgelt im Sinne von § 14 SGB IV. Auf die Abfindung fallen 0,00 € Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeiträge an! Sie erhalten die Abfindung ohne jeden Sozialabzug.B. Freiwillig gesetzlich versicherte Arbeitnehmer (Achtung Falle!)
Arbeitnehmer mit einem Gehalt oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, die freiwillig in der GKV versichert sind, müssen aufpassen: - Melden Sie sich arbeitslos und beziehen ALG I, werden Sie wieder versicherungspflichtig. Die Abfindung bleibt vollkommen beitragsfrei! - Nehmen Sie sich jedoch eine Auszeit, melden sich nicht arbeitslos und lassen sich freiwillig weiterversichern, stuft die Krankenkasse nach den Beitragsverfahrensgrundsätzen des GKV-Spitzenverbandes Teile der Abfindung fiktiv als beitragspflichtige Einnahme ein. Hier drohen erhebliche Nachzahlungen!4. Krankenversicherung während einer 12-Wochen-Sperrzeit beim ALG I
Die Rechtslage nach § 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V ist glasklar geregelt: 1. Monat 1 der Sperrzeit: Sie sind über den nachgehenden Leistungsanspruch nach § 19 Abs. 2 SGB V beitragsfrei abgesichert. 2. Ab Monat 2 (Tag 31 der Sperrzeit): Obwohl Sie kein Geld ausgezahlt bekommen, begründet die Sperrzeit ein Versicherungspflichtverhältnis in der GKV. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt ab dem 31. Tag die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung!
Fazit: Niemand verliert während einer Sperrzeit seinen gesetzlichen Krankenversicherungsschutz!
5. Gefahr bei Ruhenszeit nach § 158 SGB III (Fristverkürzung)
Haben Sie im Aufhebungsvertrag die ordentliche Kündigungsfrist abgekürzt und eine Abfindung kassiert, ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld. Während der Ruhenszeit zahlt die Arbeitsagentur keinerlei Krankenversicherungsbeiträge!
Da der nachgehende Leistungsanspruch nach 30 Tagen erlischt, stuft die Krankenkasse Sie ab Tag 31 als freiwilliges Mitglied ein. Sie müssen die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung (nach dem Mindestbeitrag von ca. 220 € bis zum Höchstbeitrag von ca. 1.050 € pro Monat) vollständig aus eigener Tasche zahlen, bis die reguläre Kündigungsfrist abgelaufen ist.
6. Die kostenfreie Familienversicherung (§ 10 SGB V)
Die Voraussetzungen:
- Ihr eigenes monatliches Gesamteinkommen darf die gesetzliche Einkommensgrenze (2026: ca. 505 € bzw. 538 € bei Minijob) nicht überschreiten. - Wichtig zur Abfindung: Eine echte Entlassungsentschädigung gilt nach den Richtlinien der Spitzenverbände der Krankenkassen bei der Familienversicherung grundsätzlich nicht als regelmäßiges monatliches Gesamteinkommen, sofern sie als Einmalzahlung zufließt. Lassen Sie diesen Punkt im Vorfeld stets schriftlich von der Krankenkasse Ihres Ehepartners bestätigen!Brutto-Netto Rechner Abfindung
Berechnen Sie Ihre Netto-Auszahlung unter Berücksichtigung von 0 € Sozialversicherungsbeiträgen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was müssen privat Krankenversicherte (PKV) nach Kündigung beachten?
Wer in der PKV versichert ist und nach der Kündigung Arbeitslosengeld I bezieht, wird nach § 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V grundsätzlich wieder versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse. Wer über 55 Jahre alt ist oder sich nach § 8 SGB V von der Versicherungspflicht befreien lässt, kann in der PKV bleiben; die Bundesagentur für Arbeit zahlt dann einen Beitragszuschuss bis zur Höhe des fiktiven GKV-Beitrags.
Muss ich mich nach Kündigung aktiv bei der Krankenkasse melden?
Ja. Sobald Sie das Kündigungsschreiben oder den Aufhebungsvertrag vorliegen haben, sollten Sie Ihre Krankenkasse kontaktieren und mitteilen, wie der Übergang geplant ist (neue Stelle, ALG-I-Bezug oder Übergangszeit), um Beitragsrückstände im Rahmen der obligatorischen Anschlussversicherung zu vermeiden.